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Sentiero del Viandante am Ostufer des Comer Sees

Der Sentiero del Viandante ist ein rund 70 Kilometer langer Fernwanderweg am Ostufer des Comer Sees zwischen Lecco und Sorico. Seine Wurzeln reichen bis in die Römerzeit zurück. Er gehört zu den Vie del Viandante, einem Netz aus zwölf historischen Wegen mit insgesamt etwa 220 Kilometern vom San-Bernardino-Pass bis Mailand. Die Via Spluga und Via Francisca ergänzen das Routennetz als eigene historische Wege. Als alter Maultierweg verläuft der Sentiero auf mittlerer Höhe zwischen See und Bergen. Dadurch wechseln sich Abschnitte mit Blick auf das Wasser und Wege durch die ländlich geprägten Ortskerne ab. Im 18. Jahrhundert war er als Via Ducale oder Via Regia bekannt und verband Mailand mit der Nordgrenze des Herzogtums, vorbei am heutigen Forte di Fuentes bei Colico.

Acht Etappen von Sorico nach Lecco

Die offizielle Route gliedert sich in Sorico–Colico, Colico–Dorio, Dorio–Dervio, Dervio–Bellano, Bellano–Varenna, Varenna–Lierna, Lierna–Abbadia Lariana und Abbadia Lariana–Lecco. Alle acht Etappen lassen sich in beiden Richtungen gehen. Die Etappe Bellano–Varenna, Varenna–Lierna und Lierna–Abbadia Lariana erschließen zentrale und südliche Wegabschnitte. Unterkünfte in Varenna liegen nahe der mittleren Etappen.

Orte und historische Weggeschichte

Der Weg führt unter anderem durch Varenna, Bellano und Mandello del Lario sowie am Ortsteil Corenno Plinio vorbei. Dort liegen das Castello und die Kirche San Tommaso. Vom Bahnhof Dervio führt der Sentiero in ungefähr 15 Gehminuten nach Corenno Plinio. Die Hänge sind von historischen Dörfern mit steinernen Häusergruppen und ländlicher Architektur geprägt. Im 15. Jahrhundert empfahlen die Herzöge von Mailand die Verbindung als sicheren Pilgerweg, um von Pest betroffene Gebiete zu umgehen. Im napoleonischen Zeitalter wurde die Strecke ausgebaut, um Mailand dauerhaft mit dem Valtellina zu verbinden; dabei erhielt sie den Namen Strada Napoleona. Mit dem Bau der neuen Militärstraße zum Stilfser Joch geriet der alte Weg im 19. Jahrhundert teilweise in Vergessenheit. 1992 wurde er für den Tourismus wiederhergestellt.

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Bahn, Schifffahrt und einzelne Tagesetappen

Die Bahnlinie Lecco–Colico–Sondrio berührt den Weg an mehreren Bahnhöfen; so lassen sich Tagesabschnitte zu Fuß gehen und mit dem Zug zurückfahren. Am Ostufer verbinden sieben Schiffsanleger den Weg mit dem Fährnetz; so lässt sich eine Wanderung mit einer Überfahrt über den See kombinieren. Entlang der Strecke prägen alte Mühlen, Burgen und ländliche Kirchen die Dörfer. Die von mildem Klima begünstigten Terrassen mit Weinreben und Olivenhainen zeigen die landwirtschaftliche Nutzung der Hänge. An ausgewiesenen Stellen können Wandernde außerdem Stempel in den Passaporto del Viandante sammeln. Der Weg ist grundsätzlich ganzjährig begehbar, außer bei Schnee in tieferen Lagen.

Sperrung bei San Martino

Auf der Etappe Lecco–Abbadia Lariana ist der Fußweg im Ortsteil San Martino bis auf Widerruf gesperrt (Stand September 2026). Grundlage ist die Verordnung Nr. 11 der Gemeinde Abbadia Lariana vom 4. Februar 2025.